Bava Kamma 79

Kapitel 79

א אי לר"י דעבד ליה שמירה פחותה ולא עבד ליה שמירה מעולה אי לר"א בן יעקב דלא עביד ליה שמירה כלל
1 und zwar, entweder nach R. Jehuda, wenn ihm eine leichte Bewachung zuteil wurde und keine gediegene, oder nach R. Elie͑zer b. Ja͑qob, wenn ihm überhaupt keine Bewachung zuteil wurde!?
ב דתניא ר"א בן יעקב אומר אחד תם ואחד מועד ששמרן שמירה פחותה פטורין והא קמ"ל ר' יעקב דמעמידין להן אפוטרופין לתם לגבות מגופו
2 Es wird nämlich gelehrt: R. Elie͑zer b. Ja͑qob sagte: Sowohl bei einem nicht verwarnten als auch bei einem verwarnten ist man, wenn man ihnen eine leichte Bewachung angedeihen ließ, ersatzfrei. Demnach lehrt uns R. Ja͑qob, daß man ihm einen Vormund stelle, um für das nicht verwarnte einen dinglichen Ersatz einzufordern!?
ג א"ל הכי קאמר חדא דאית ביה תרתי טעמא
3 Jener erwiderte: Er lehrt eines, aus welchem gleichzeitig zwei Dinge zu entnehmen sind.
ד רבינא אמר רשות משנה איכא בינייהו כגון דהוה מועד ונתפקח החרש ונשתפה השוטה והגדיל הקטן ר"י סבר הרי הוא בחזקתו ר' יעקב סבר רשות משנה:
4 Rabina erklärte: Sie streiten, ob durch den Besitzwechsel eine Änderung eintritt. Wenn nämlich, nachdem er verwarnt worden ist, der Taube hörend, der Blöde verständig und der Minderjährige volljährig wird. R. Jehuda ist der Ansicht, er verbleibe bei seinem bisherigen Zustande, und R. Ja͑qob ist der Ansicht, durch den Besitzwechsel trete eine Änderung ein.
ה ת"ר אפוטרופסים משלמין מן העלייה ואין משלמין כופר
5 Die Rabbanan lehrten: Vormünder haften persönlich und bezahlen kein Lösegeld. –
ו מאן תנא כופרא כפרה ויתמי לאו בני כפרה נינהו
6 Wer ist der Autor, welcher sagt, das Lösegeld sei eine Sühne, und Waisen haben keine Sühne zu zahlen?
ז א"ר חסדא ר' ישמעאל בנו של ר' יוחנן בן ברוקה היא דתניא (שמות כא, ל) ונתן פדיון נפשו דמי ניזק ר' ישמעאל בנו של רבי יוחנן בן ברוקה אומר דמי מזיק
7 R. Ḥisda erwiderte: Es ist R. Jišma͑él, Sohn des R. Joḥanan b. Beroqa. Es wird nämlich gelehrt:<i>So soll er das Lösegeld seiner Person geben</i>, den Wert des Geschädigten; R. Jišma͑él, Sohn des R. Joḥanan b. Beroqa, sagt den Wert des Schädigers.
ח מאי לאו בהא קמיפלגי דרבנן סברי כופרא ממונא הוא ור' ישמעאל בנו של רבי יוחנן בן ברוקה סבר כופרא כפרה
8 Ihr Streit besteht wahrscheinlich in folgendem: die Rabbanan sind der Ansicht, das Lösegeld sei eine Geldentschädigung, und R. Jišma͑él, Sohn des R. Joḥanan b. Beroqa, ist der Ansicht, das Lösegeld sei eine Sühne.
ט א"ר פפא לא דכ"ע כופרא כפרה הוא והכא בהא קמיפלגי רבנן סברי בדניזק שיימינן ורבי ישמעאל בנו של רבי יוחנן בן ברוקה סבר בדמזיק שיימינן
9 R. Papa erwiderte: Nein, beide sind der Ansicht, das Lösegeld sei eine Sühne, und ihr Streit besteht vielmehr in folgendem: die Rabbanan sind der Ansicht, man schätze den Wert des Geschädigten, und R. Jišma͑él, Sohn des R. Joḥanan b. Beroqa, ist der Ansicht, man schätze den Wert des Schädigers. –
י מ"ט דרבנן נאמרה שיתה למטה ונאמרה שיתה למעלה מה להלן בדניזק אף כאן בדניזק
10 Was ist der Grund der Rabbanan? – Unten heißt es <i>auferlegen</i> und oben heißt es <i>auferlegen</i>, wie nun hier vom Beschädigten gesprochen wird, ebenso wird auch dort vom Beschädigten gesprochen.
יא ור' ישמעאל בנו של רבי יוחנן בן ברוקה סבר ונתן פדיון נפשו כתיב
11 R. Jišma͑él, Sohn des R. Joḥanan b. Beroqa, aber erklärt, es heißt: <i>so soll er das Lösegeld seiner Person geben</i>. –
יב ורבנן אין פדיון נפשו כתיב מיהו כי שיימינן בדניזק שיימינן
12 Und die Rabbanan!? – Freilich heißt es, daß er das Lösegeld seiner Person gebe, die Schätzung aber erfolgt nach dem Werte des Geschädigten.
יג משבח ליה רבא לר"נ בדרב אחא בר יעקב דאדם גדול הוא א"ל לכשיבא לידך הביאהו לידי
13 Raba lobte R. Naḥman vor R. Aḥa b. Ja͑qob, daß er ein bedeutender Mann sei. Da sprach er zu ihm: Wenn du ihn triffst, bringe ihn zu mir.
יד כי אתא לגביה א"ל בעי מינאי מילתא בעא מיניה שור של שני שותפין כיצד משלמין כופר
14 Als er zu ihm kam, sprach er zu ihm: Frage mich etwas. Da richtete er an ihn folgende Frage: Wie ist, wenn der Ochs zwei Teilhabern gehört, das Lösegeld zu zahlen?
טו משלם האי כופר והאי כופר כופר אחד אמר רחמנא ולא שני כופרין האי חצי כופר והאי חצי כופר כופר שלם אמר רחמנא ולא חצי כופר
15 Sollte sowohl der eine als auch der andere das Lösegeld zahlen, so spricht ja der Allbarmherzige von einem Lösegelde und nicht von zwei Lösegeldern, und sollte der eine die Hälfte des Lösegeldes zahlen und der andere ebenfalls die Hälfte des Lösegeldes, so spricht ja der Allbarmherzige von einem ganzen Lösegelde und nicht von einem halben Lösegelde.
טז אדיתיב וקא מעיין בה א"ל תנן חייבי ערכין ממשכנין אותן חייבי חטאות ואשמות אין ממשכנין אותן חייבי כופרין מאי
16 Während er darüber nachdachte, fragte er ihn ferner: Wir haben gelernt, daß man Schuldner von Schätzgelübden pfände, aber Schuldner von Sündopfern und Schuldopfern nicht pfände; wie verhält es sich mit Schuldnern des Lösegeldes?
יז כיון דכפרה הוא כחטאת ואשם דמי מחמר חמיר עילויה ולא בעי משכוניה או דלמא כיון דלחבריה הוא דבעי מיתבא ליה ממונא הוא ולא לגבוה הוא ולא חמיר עליה ובעי משכוניה
17 Gleicht es, da es ebenfalls eine Sühne ist, Sünd- und Schuldopfern, somit nimmt er es damit streng und man braucht ihn nicht zu pfänden, oder gilt es, da er es seinem Nächsten gibt und nicht Gott, als Geldzahlung, somit nimmt er es damit nicht streng und man pfände ihn.
יח אי נמי כיון דהוא לא חטא וממוניה הוא דאזיק לא חמיר מילתא עילויה ובעי משכוניה
18 Oder auch: da er nicht selbst gesündigt hat, sondern sein Eigentum, so nimmt er es damit nicht streng und man pfände ihn?
יט א"ל שבקן אסתגר בקמייתא:
19 Da rief jener: Laß mich, ich habe noch mit der ersten [Frage] zu tun.
כ ת"ר שאלו בחזקת תם ונמצא מועד בעלים משלמין חצי נזק ושואל משלם חצי נזק
20 Die Rabbanan lehrten: Wenn jemand [einen Ochsen] als nicht verwarnt geliehen hat und es sich herausstellt, daß er verwarnt ist, so hat der Eigentümer die Hälfte des Schadens und der Entleiher die Hälfte des Schadens zu zahlen;
כא הועד בבית שואל והחזירו לבעלים בעלים משלמין חצי נזק ושואל פטור מכלום
21 ist er im Besitze des Entleihers verwarnt und dem Eigentümer zurückgegeben worden, so hat der Eigentümer die Hälfte des Schadens zu zahlen und der Entleiher ist ersatzfrei.
כב אמר מר שאלו בחזקת תם ונמצא מועד בעלים משלמין חצי נזק ושואל חצי נזק ואמאי לימא ליה תורא שאילי אריא לא שאילי
22 Der Meister sagte: Wenn jemand einen Ochsen als nicht verwarnt geliehen hat und es sich herausstellt, daß er verwarnt ist, so hat der Eigentümer die Hälfte des Schadens und der Entleiher die Hälfte des Schadens zu zahlen. Weshalb denn, er kann ja zu ihm sagen: ich habe einen Ochsen geliehen und keinen Löwen!?
כג אמר רב הכא במאי עסקינן שהכיר בו שהוא נגחן
23 Raba erwiderte: Hier wird von dem Falle gesprochen, wenn er gewußt hat, daß er stößig ist. –
כד ונימא ליה תם שאילי מועד לא שאילי
24 Er kann ja zu ihm sagen: ich habe einen nicht verwarnten geliehen und keinen verwarnten!? –
כה משום דא"ל סוף סוף אי תם הוה פלגא נזקא בעית שלומי השתא נמי זיל שלים פלגא נזקא
25 Jener kann ihm erwidern: schließlich müßtest du, auch wenn er nicht verwarnt wäre, die Hälfte des Schadens doch bezahlen, bezahle auch jetzt die Hälfte des Schadens. –
כו ונימא ליה אי תם הוה משתלם מגופו
26 Er kann ja zu ihm sagen: wenn er nicht verwarnt wäre, könnte die Zahlung dinglich erfolgen!? –
כז משום דא"ל סוף סוף את לאו תורא בעית שלומי לדידי
27 Jener kann ihm erwidern: schließlich müßtest du mir doch meinen Ochsen bezahlen. –
כח ונימא ליה
28 Er kann ja zu ihm sagen: